Blumenteppiche

 

 

Ende einer Winternacht

 

 

O die lange Winternacht,

Gleichnis kalter Todesmacht,

wie hielt sie uns gefangen:

Die Erde so hart,

darin das Leben verscharrt.

 

Doch jetzt ist sie vergangen,

sie ist besiegt.

Linder Frühlingshauch

streicht an unsre Wangen.

Lebenskraft

aus allen Knospen fliegt.

 

 

Fotos und Text: Bruno Johannsson

Winterlast und Winterpracht

Der Wald versinkt im Schnee.

Das tut Bäumen und Büschen weh.

Sie stöhnen unter der schweren Last.

Es biegt sich und bricht so mancher Ast.

 

Nur die Birken haben es gut.

Ihre zarten Äste tragen mit Mut

Die weißen Kristalle im glitzernden Glanz

Der Sonnenstrahlen feurigem Tanz.

 

Fotos: Klaus Scshreiber; Text: Bruno Johannsson

 

 

Unter dem Schall der Posaune

 

Der Neue Freiberg-Tempel

 

Fotos: Klaus Schreiber; Arrangement: Bruno Johannsson

 

 

Heinrich Lersch, Wien

 

Blume

 

Skulptur, Stein, Privatbesitz (käuflich erwerbbar)

HLT-Kultur-Kaleidoskop

In dieser Rubrik werden die künstlerischen Medien, die auf der Startseite zeitweise präsentiert wurden, als "Kunst- und Kultur-Kaleidoskop" dargestellt. Eine besondere Spezialität sind dabei Bild-Text-Kompositionen. In jedem Fall handelt es sich um Kulturschaffende, die in Deutschland, Österreich oder der Schweiz tätig waren oder sind bzw. mit diesem Kulturraum und der HLT-Szene etwas zu tun haben. Viel Spaß beim Scrollen!

 

Inhaltsverzeichnis

Thorolf B. Glumann: Die Linden sind kahl. Foto und Gedicht.

Berthold Teske: Ich bin der Ich bin, Sandstein

Thorolf B. Glumann: Wen braucht diese Erde, Gedicht

Trevor Southey, Carol Lynn Pearson: Anfänge. Graphik und Gedicht.

Thorolf B. Glumann: Trees Against the Sky. Fotographie 

Stephanie Offermann: Licht auf seinen Schultern. Covergraphik

Thorolf B. Glumann: Happy Birthday, Joseph! Text

Angelika Glumann: Feiert das Fest. Gedicht.

Ulrich Kosak/THorolf B. Glumann: Ein Prinz zieht heran. Graphik und Gedicht.

Klaus Schreiber/Thorolf B. Glumann: Wenn die Kraniche zieh'n. Foto-Text-Komposition

Klaus Schreiber: Die Mannschaft des Zweiges Werdau 1986 in Forst 

Wolfgang Gäbler: Die Sieger von Forst

Wolfgang Gäbler: Einige Gedanken zum Regiosnsfußballturnier in Forst

Soelve Wagner-Hachenberger:Intarsienarbeiten

Ulrich Kosak: Mutter. Gemälde

Thorolf B. Glumann: Du hast mich getragen. Gedicht

Ulrich Kosak: Vier Gemälde

Thorolf B. Glumann: Meeresrauschen bei Sonnenaufgang. Video

THorolf B. Glumann: Mensch am Meer. Gedicht

Heinrich und Antonia Lersch: Hände. Graphik und Gedichte

Die Linden sind kahl. Doch schon steigen die Säfte. Die Winde brüten das Frühjahr aus.

 

Endlich Endlos

 

Leise bersten die Wände.

Es ist der warme Strom.

Mauern zittern von innen her.

Wo Stein auf Stein der Mörtel fügt,

reißt jetzt die Zukunft Klüfte auf.

 

Kennst Du das Land, das keine Bäume hat?

Irrtest Du durch seine wilden Weiten?

Hast je den Blick gewölbt Du über Dünenhügel

und in die schroffen Gründe eingesenkt?

Lagst Du im Sterben je

an praller Sonne Brust,

und hat der Sturm dich eingesargt?

 

So höre jetzt das Säuseln dieses Winds,

der zart um Deine Nüstern streicht,

und lass die Wolken trösten Dich

und schützen Dein Gebälk!

 

Halt auf die Hand,

den süßen Tau zu fangen,

der nun auf Deine Seele fällt,

und wenn Du vollkommst schließlich,

so wässre Deine Wüste!

 

Die Linden sind kahl.

Doch schon steigen die Säfte.

Die Winde brüten das Frühjahr aus.

So hoffe auch Du,

denn sie dringt schon zu Tal,

die so lang Du ersehnt:

Die endlich Endlose Schmelze.

 

(aus: Thorolf B. Glumann: Zukunftsmusik. Gedichte, Hamburg 1976)

 

 

Ich Bin der Ich Bin

 

Berthold Teske (Bromberg 1938 - 2014 Kremmen): Jesus Christus, Büste, Sandstein, Hausmuseum Kremmen

 

Wen braucht diese Erde?

 

Alexander oder Aristoteles?

Cäsar oder Horaz?

Napoleon oder Goethe?

Adolf oder Einstein?

 

Wer diente mehr?

Wen braucht diese Erde?

 

Alexander Aristoteles?

Cäsar Horatius?

Napoleon von Goethe?

Adolf Einstein?

 

Könnten sie uns retten, wenn es sie gäbe?

Wer löst uns den Knoten,

den Alexander vergeblich zerschlug?

Wen braucht diese Erde?

 

Jehova.

den Herrn Zebaoth,

den großen Immanuel,

Jesus Christus.

 

ER löst uns den Knoten.

ER löst uns.

Erlöst uns

 

Aus

Thorolf: Zukunftsmusik.

 Salut 1 zu Ehren des Herrn Jesus Christus

anlässlich  Seiner Zukunft auf dieser Erde.

Gedichte. Hamburg 1976

 

                              Anfänge

 

Heute kamst du angerannt;

Ein kleines geflecktes Ei

Lag warm in deiner Hand.

Ich weiß,

du konntest kaum verstehen,

was ich dir erzählt’

von Anfängen:

dass ein Vogel aus dem Ei sich schält,

auch davon,

dass vor vielen Jahren

du deinen Anfang nahmst,

so winzig, dass man es

nicht sehen kann.

Und dann

wurdest du –

wie ein Ei nach dem

Himmel sich sehnt

und das Samenkorn

sich zum Baume dehnt –

wie ich.

 

Doch es gibt

Noch so viel mehr zu erlangen.

Du und ich,

Kind,

haben gerade erst angefangen.

 

Stelle dir vor:

Was können wir sein

In fernen Welten,

die wir schon hier

als Samen

der Gottheit gelten.

 

Graphik: Trevor Southey, Text: Carol Lynn Pearson

Aus: Carol Lynn Pearson: Anfänge, Fechingen 1984

Übersetzung: T & A Glumann

 

 

Trees Against the Sky

 

Thorolf B. Glumann: Trees Against the Sky, Fotos, Crimmitschau 2010

 

Happy Birthday, Joseph

 

Stephanie Offermann: Light upon his Shoulders, Ausschnitt aus dem Cover zu dem Buch "Vorlesung über Glauben" (siehe unten)

Happy Birthday, Joseph

 

Wir haben gerade Weihnachten gefeiert,

den Geburtstag unseres gemeinsamen Herrn.

Da musstest Du natürlich zurück stehen,

da Du ja ausgerechnet am 23. Geburtstag hast.

Ich hoffe, Du hast dem Herrn Jesus Christus

gern den Vortritt gelassen.

Aber jetzt ist es doch Zeit, einmal an Dich zu denken.

 

Wie findest Du das beigefügte Porträt?

Ist es etwas zu schmeichelhaft?

„Light upon his Shoulders“

hat die Künstlerin es genannt.

Ist das nicht ein passender Titel für einen Propheten?

 

Wie geht es Dir da drüben?

Immer noch so viel zu tun wie damals,

als Du Brigham erschienen bist?

Oder sogar noch mehr in noch größerer Eile?

„Die Arbeit beschleunigen!“ lautet die neueste Maxime.

Ganz in Deinem Sinn, vermute ich.

 

Im Jahr 2014 ist Dein 170. Todestag.

Einhundertsiebzig Jahre in der jenseitigen Welt,

ist das lang oder vergeht die Zeit noch schneller

als hier bei uns in der Sterblichkeit?

Oder weißt Du gar nicht mehr, was Zeit ist?

 

Text. Thorolf B. Glumann

 

Weihnachten 2013

 

Feiert das Fest!

 

Feiert in der Dunkelheit das Licht,

das die kalte Winternacht durchbricht!

Freut euch, denn die Erfahrung hat gelehrt:

die Sonne hat sich jetzt uns wieder zugekehrt.

 

Feiert die Hoffnung, auch wenn drückt die Not!

Wir brauchen Hoffnung wie das täglich’ Brot.

Nur wenn wir in der Seele fest sie halten,

können noch Kräfte für das Gute walten.

 

Feiert, auch wo Hass noch frisst, der Liebe Macht!

Sie bringt Licht und Hoffnung uns in dunkle Nacht.

Sie baut auf und tröstet, hilft und stärkt den Mut.

Nur wo Liebe wirkt, wird unser Leben gut.

 

Feiert den Frieden, den der Engel uns verhieß,

zu dem das Kindlein in dem Stall den Weg uns wies!

Es lebte vor: nur die Vergebung hält den Lauf

Von Schuld und Rache und dann neuer Rache auf.

 

Feiert das Kind, das in der Krippe liegt

und uns ein Zeichen ist, dass Gottes Liebe siegt,

das uns verlor’ne Unschuld schenkt zurück

und hat das Tor geöffnet zu Erneuerung und Glück.

 

Angelika Glumann, Zweig Werdau, Distrikt Erfurt

 

Advent 2013

 

Ein Prinz zieht heran

 

Walnussschalen tanzen auf dem See,

scharen sich zu kleinen Trupps,

die reigend sich zerstreun.

 

Der kluge Schwan kennt ihre Kreise.

Ein Lächeln wäre ihm entflogen,

hätte er im Antlitz Raum für Falten.

 

Wellen hüpfen in das Schilf

und spielen dort im Dunkeln weiter.

 

Die Flöte spielt ihr Lied am Ufer.

Ein Prinz haucht ihr den Atem ein

und lockt ihr Töne ab aus jenem Land,

wo er schon König war.

 

Schwarze Bläue lagert auf den Hügeln,

die das Grün so mollig machte.

Häuser kuscheln in der Schlucht zusammen,

Tore haken unter vor der Nacht.

 

Lärm zerbricht

an einer strengen Front von Pappeln,

die jetzt als Wächterinnen aufgezogen sind.

Ihre Wipfel flüstern sich das Märchen zu,

das den Kindern vorenthalten wird,

weil ihre Eltern falsche Sender hören:

"Ein Prinz, ein Prinz, ein Prinz

zieht durch die Nacht heran."

Der Morgen wird ihn siegreich finden.

 

 

Zeichnung: Ulrich Kosak

Text: Thorolf: B. Glumann aus: dem Gedichtband Zukunftsmusik

 

Wenn die Kraniche zieh’n

 

 geht das Jahr dahin.

 

 

 Du hältst sie nicht auf.

 

Es geht seinen Lauf.

 

 

Sie lassen sich nieder.

 

Auch du denkst wieder

 

an damals.

Fotos auf Darß-Zingst 2013: Klaus Schreiber

Komposition und Text: Thorolf B. Glumann

 

 

Fußball in Forst

 

 

Die Mannschaft der Gemeinde Werdau 1986 in Forst. Einige dieser Brüder gehörten auch zum ersten Turniersieger 1982. Foto: Klaus Schreiber, Gemeinde Wedau.

Die Siegermannschaften des Forster Regionsfußballturniers

 

Jahr              Austragungsort                 Sieger

 

1982                         Forst                   Werdau/Halle  
1983                         Köthen                Zwickau
1984                         Forst                   Berlin
1985                         Forst                   Dresden
1986                         Forst                   Leipzig 1
1987                         Forst                   Cottbus
1988                         Forst                   Cottbus
1989                         Forst                   Cottbus
1990                         Forst                   Freiberg
1991                         Forst                   Berlin
1992                         Cottbus               Cottbus
1993                         Cottbus               Leipzig
1994                         Cottbus               Dresden
1995                         Cottbus               Tiergarten
1996                         Cottbus               Dresden
1997                         Cottbus                Marzahn
1998                         Forst                    Dresden
1999                         Forst                    Mittweida
2000                         Forst                    Meißen
2001                         Forst                    Tiergarten
2002                         Forst                     Abbruch
2003                         Forst                     Forst
2004                         Forst                     Marzahn
2005                         Forst                     Köthen/Eilenb
2006                         Forst                     Meißen
2007                         Forst                     Wolgast
2008                         Forst                     Freiberg
2009                         Forst                     Köthen
2010                         Forst                     Köthen
2011                         Forst                     Köthen
2012                         Forst                     Spandau
2013                         Forst                     Freib./Meißen

Einige Gedanken zum Regionsfußballturnier in Forst

 

Seit 1982 lädt das Ältestenkollegium des Zweiges Forst alljährlich am 2. oder 3. Samstag im Juni zum beliebten Kleinfeld Fußballturnier ein. (mit einer Ausnahme 1983 Köthen) Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR begonnen wurden ab 1990 die West-Berliner Gemeinden mit einbezogen. Starteten wir 1982 mit 8 hatten wir in Spitzenzeiten 16 – 18 Mannschaften im Turnier. Heute sind wir bei 12 bis 14. Da die Mannschaften häufig aus Spielern verschiedener Gemeinden bestehen sind teilweise bis zu 30 Gemeinden und Zweige beteiligt. Zu den bis 150 Spielern gesellen sich noch etwa 200 begeisterte Zuschauer. Viele kommen mit Kind und Kegel und nutzen das Turnier zum Treffen mit Familie und Freunden. Auf dem ursprünglichen Sportplatz waren die Plätze teilweise mit Wald umsäumt und luden zum Picknick und lagern auf Decken ein. Heute sind wir auf dem Forster Stadion, welches ebenfalls viel Raum bietet und für die Sportler bessere sanitäre Einrichtungen und Umkleidemöglichkeiten zur Verfügung stellt. Fußballerisch hat sich die Qualität von Jahr zu Jahr erhöht. Viele Mannschaften trainieren mehr oder weniger das ganze Jahr, um zum Turnier fit zu sein. Die Vätergeneration wurde durch die Söhne abgelöst oder man spielt gemeinsam. 

                                                                                                       

Leider ist die ursprüngliche Idee, dass die Kollegien gemeinsam Sport treiben und darüber enger zusammenwachsen und gemeinsam Freude haben, in einigen Mannschaften dem Ziel siegen wollen geopfert worden. Das Fußballspiel, verbunden mit starkem Ehrgeiz zu gewinnen, ist immer wieder eine Herausforderung seine Gefühle im Zaum zu halten und Selbstbeherrschung zu üben. Nicht immer trifft das Bild zu, welches durch das Lied beschrieben wird: „ O wie lieblich ist`s, wenn Brüder friedlich bei einander sind…“ Allerdings scheint die momentane Aufregung nicht so tief zu sitzen, da spätestens nach einem Jahr alle wieder mit der gleichen Begeisterung zum Spiel antreten. Leider kommt es beim Sport auch immer wieder zu Verletzungen. Nicht immer ist ein gegnerischer Spieler unfair daran beteiligt. Manchmal ist es auch das eigene Unvermögen seine körperlichen Möglichkeiten mit den Wünschen des Geistes in Übereinstimmung zu bringen.

Ein besonderes Erlebnis hatten wir 2002. Mitten in der Fußballstimmung wurde ein Bruder aus Berlin von einem straff geschossenen Ball am Brustkorb getroffen und brach bewusstlos zusammen. Sofort wurde von unserem Sani Michael Bentke mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen und parallel die schnelle medizinische Hilfe gerufen. Erst mit einem Elektroschock vom Arzt konnte er wieder zurück geholt werden. Vor der Abfahrt der DMH wurde dem Bruder noch ein Krankensegen im Auto gegeben. Zum Glück konnte er nach wenigen Tagen der Beobachtung im Forster Krankenhaus ohne Beeinträchtigungen seine Heimreise antreten. Während der Krankenwagen abfuhr wurde spontan von den Spielern entschieden, das Turnier nicht fort zu setzen. Wir knieten uns gemeinsam auf dem Sportplatz nieder und sprachen ein Gebet. Dieses geistige Erlebnis werde ich nie vergessen. Gerade noch auf dem Spielfeld gekämpft und sich verausgabt knieten sich 150 Fußballer und mehr als 200 Zuschauer nieder, um für einen verletzten Bruder zu beten.

In diesem Jahr hatten wir das 32. Turnier leider nur mit 11 Mannschaften. In einigen Gemeinden fehlt der Nachwuchs und bei anderen lässt das sportliche Interesse der Jungen am Fußball etwas nach. Ich hoffe, dass virtuelle Spiele zukünftig nicht die Begegnung auf und um ein Spielfeld verdrängen. Viele der Spieler haben auf dem Fußballplatz Eigenschaften gelernt wie Ausdauer, Selbstbeherrschung, Teamgeist, Durchsetzungsvermögen und sicher vieles mehr. Diese Eigenschaften, verbunden mit körperlicher Fitness haben in den letzten Jahren vielen jungen Brüdern geholfen eine erfolgreiche Mission zu absolvieren.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass in den Kollegien nicht nur die Profis spielen, sondern alle die Lust am gemeinschaftlichen Spiel haben einbezogen werden. Für mich ist nach dem Turnier nicht wichtig, welche Mannschaft den Sieg erobert hat, sondern wie viele Brüder Freude am Sport hatten und wie der Zusammenhalt in den Kollegien gestärkt und die Bruderschaft vertieft wurde.

Wolfgang Gäbler

 

Soelve Wagner-Hachenberger

 

Intarsien

 

Soelve Wagner-Hachenberger: Tisch. Intarsienarbeit
Soelve Wagner-Hachenberger: Plan der Erlösung. Puzzle. Intarsienarbeit

 

Muttertag

 

Ulrich Kosak: Mutter

Du hast mich getragen

 

Mitten im Krieg bist du nach Lemberg gereist

zum Mann, der dort, als Soldat stationiert

in Urlaub war und wie es passiert

wards’t schwanger du und hast gekreißt,

 

in Schmerzen mich in diese Welt gepresst.

neun Monate lang hast du mich durch den Krieg

getragen.

Siebzig Jahre lang vergaß dein Sohn zu fragen,

wie er in deinem Leib dich hat gestresst,

 

wie oft er deine Säfte durcheinander gebracht,

dir Übelkeit und Schwindel und Sorgen gemacht,

Heißhunger gar in dir erzeugt,

 

sich gar nicht deinem Wunsch gebeugt,

erholsam und ruhig zu schlafen bei Nacht.

Wenig oder nichts hab’ ich mir dabei gedacht.

 

 

Und dann war ich da, mit Schrei oder ohne.

Auch das zu fragen misslang deinem Sohne,

der so lang an seiner Seite dich hatte.

Ihn musstest du tragen ganz ohne Gatte,

 

denn als dieser zurückkam aus dem Krieg

war schwer verwundet er und ohne Sieg.

Schlimme Zeit nahm ihren Lauf.

Sorgen hattet ihr zuhauf.

 

Dennoch hast du mich getragen,

auch gefahren fein im Kinderwagen

durch’s Dorf und hin zum Wald.

 

Dann kam des Krieges Ende bald

mit neuer Not und and’ren Plagen,

wie schlimm, das kannst nur du mir sagen,

 

 

wenn wir uns dereinst wieder seh’n,

gemeinsam dann spazieren geh’n

in jener Welt, wo du schon bist,

die meine Perspektive ist.

 

Wenn dann der Tod mich hat ereilt,

der dünne Vorhang sich geteilt,

der uns an diesem Tag noch trennt,

sodass in meiner Seele brennt

 

der Wunsch zu wissen, wie’s dir geht,

wie es um deine Seele steht,

ob du zum Herrn dich hast bekehrt,

 

dein Herz Ihn brennend heiß verehrt

und du mich tragen kannst hinauf,

im letzten und im besten Lauf.

 

 

Thorolf B. Glumann, Mai 2013

 

Ulrich Kosak

 

Vier Gemälde

 

Ulrich Kosak: Großvater Paul. Zeichnung
Ulrich Kosak: Frauenporträt.Pastell
Ulrich Kosak: Tanz in der Werkstatt. Aquarell
Ulrich Kosak: Kaukasus-Besteigung. Acryl

 

Thorolf B. Glumann

 

Mensch am Meer

 

Thorof B. Glumann: Meeresrauschen bei Sonnenaufgang, Leucate 2012

Mensch am Meer

 

Ans Meer gebaut

sind meine Augen:

Trinken und regnen

ins Weite.

 

Da ist eine

große Sehnsucht

meines Herzens:

Frieden, Harmonie

in Gott.

 

Sie umfasst

all die kleinen Sehnsüchte

meines Herzens.

Sie rührt mich

zum Weinen.

 

Die Tränen rollen

meinen Strand hinan

und gleiten zurück

in die so weite Meeresbahn.

 

Thorolf: Zukunftsmusik.

Hamburg 1976, S. 7

 

 

Antonia und Heinrich Lersch

 

Hände

 

Heinrich Lersch (Wien): Hände

Die Hände sind das,

was mir an einem Menschen

zuerst auffällt.

Sie haben Persönlichkeit

und Charakter,

sind unverkennbar.

 

Von meiner blinden Freundin

habe ich gelernt,

Hände zu "begreifen" -

es ist wie eine Expedition

in unerforschtes Gebiet.

 

Durch das Tasten erst

wurde mir klar,

dass die Hand

eine Landschaft ist:

weich und hügelig,

rau und rissig,

voll unterschiedlicher Strukturen:

Die Innenflächen

wie gepflügte Äcker,

aufsteigend zu den Fingerbergen;

die Klippen der Knöchel

mit ihren Sehnenausläufern;

glatter Sandstrand

mit welligen Dünen

über den Fingergelenken;

die Felsplatten der Nägel

im Kontrast

zur Sanftheit

der Fingerkuppen;

die kleine Welt

einer Kinderhand;

die haarige Steppe

einer Männerhand;

die Furchen und Risse der Wüste,

der abgearbeiteten Hand

einer Neunzigjährigen …

 

Vom meiner blinden Freundin

habe ich gelernt,

Hände zu "begreifen" -

es ist wie eine Expedition

in unerforschtes Gebiet -

doch die Fahrkarte dahin

ist sehr teuer,

sie heißt

 

VERTRAUTHEIT

 

(Antonia Lersch, Wien, abgedruckt in „Perspektiven. Texte und Grafiken von Heiligen der Letzten Tage aus dem deutschsprachigen Raum, Fechingen: T.Glumann Verlag, 1982)