Thorolf: Zukunftsmusik. Gedichte

 

3. Auflage, Restbestände

79 Seiten, Taschenbuch,4,00 € 

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Prof. Dr. Sigrid Lichtenberger, Universität des Saarlandes, Fachbereich Germanistik:

"Ein Gedichtband, der erst in einem mehrmaligen Lesen die Schönheit seiner Struktur offenbart. Doch dann dürfte es dem aufmerksamen Leser möglich sein, in all diesen Gedichten seine Ängste wie seine Hoffnungen aber auch seine Aufgaben zu erkennen."

          

                                

Rezension

von

Prof. Dr. Sigrid Lichtenberger

Universität des Saarlandes, FR 8,1 Germanistik

Saarbrücken

 zu

Thorolf: Zukunftsmusik, Hamburg 1976

 

"Der kleine Gedichtband, der nach seinem Titel als in die Zukunft weisend von dem Autor gedacht ist, gliedert sich in unterschiedlich lange Abschnitte: Ich - Frage - Sage und Bitte umfassend, um dann mit dem letzten Kapitel "Zukunftsmusik" alle Überschriften der einzelnen Kapitel in einem gesonderten Gedicht zusammenzufassen.

 

Damit erweist sich der Band in seinem Aufbau selbst zukunftsorientiert, indem in den einzelnen Kapiteln die Frage nach Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit gestellt wird, ehe dann die Bitten für die Zukunft gestellt werden.

 

Christ in der Gegenwart sein, bedeutet in den Gedichten Sünde und Heil erleben und seine Aufgabe in der Welt der Menschen zu erfüllen. Doch diese Welt wird in Frage gestellt, wenn in den weiteren Gedichten nach dem Sinn des Lebens, dem Weg der Menschheit, nach dem Schöpfer und Zerstörer der Welt gestellt wird. Doch aus der Vergangenheit der "Sage" wird dann immer wieder das Neue als Verheißung gegeben, sei es ein neuer Tag, eine neue Nacht oder ein neues Ufer, so dass in all den Gedichten dieses Kapitels die Hoffnung im Mittelpunkt steht.

 

Die Hoffnung aber ist zu erbitten, und so sind die Bitten zugleich Mahnungen zur Vorsicht, um der Zukunft gewachsen zu sein.

 

So offenbart die Zusammenstellung der Gedichte, mit ihren Titeln in "Zukunftsmusik" noch einmal zusammengefasst, die Situation des Menschen in unserer Zeit, der sich dem Verderben preisgegeben sieht, zu seiner Situation kritische Fragen stellt, deren Antworten sowohl in der Zukunft als auch in der Vergangenheit zu finden sind,

 

zugleich aber offenbart er den Menschen als "Mängel- und Umwegwesen", wie es auch die moderne Anthropologie sieht, der zwar Erkenntnisse gewinnen kann, aber der Macht eines Größeren bedarf, sie in unsere Gegenwart umzusetzen.

 

Ein Gedichtband, der erst in einem mehrmaligen Lesen die Schönheit seiner Struktur offenbart, doch dann dürfte es dem aufmerksamen Leser möglich sein, in all diesen Gedichten seine Ängste wie seine Hoffnungen, aber auch seine Aufgaben wiederzufinden."

 

 

                                                              

INHALTSVERZEICHNIS

(gleichzeitig ein Gedicht)

 

ICH,

Mensch am Meer,

Unter dem Druck der bösen Mächte,

Im Aufbruch

Nach Haus.

Womit kann ich dienen?

Ein guter Hirte will ich sein.

 

FRAGE:

Umsonst?

Verfehltes Dasein?

Leben?

Bleibt Hoffnung?

Ob ich je wieder finde?

Immer, immer wieder?

Was soll ich?

Sind wir am Ende?

Wann endlich?

Wann wieder?

Wer?

Wen braucht diese Erde?

Wer will es hindern?

 

SAGE:

Ein neuer Tag bricht an.

In trächtigen Nächten wird sein eine Nacht.

Beglückt gehst du an Land.

Einbruch erzielt.

Freude in Zelle 7 777 777.

Alles erglänzt.

Ein Hauch vereinigt Euch.

Alte Tage scheinen herein.

Neues gebiert.

Es winkt das Stadion schon.

Nur eines fehlt.

Endlich Endlos.

Auf hoher See wird Zion schaukeln.

Die Glut ist entfacht.

Ein Mann wird kommen.

Ein Prinz zieht heran.

Her HErr hErrscht

.

BITTE:

Haltet die Gebote!

Vorsicht!

Völker, hört die Signale!

Kehrt um!

Tut Buße!

Jetzt!

Plagt Euch im Kleinen!

Mensch muss man sein!

Nur Mut!

Tummelt Euch!

Säet in diese Zeit!

Schweigen, schauen, harren!

Nie entfernen!

Feiert das Fest!

Liebe im Leben!

 

 

 

                                                                                                                    

Leseproben 

 

Aus dem Kapitel

Ich,

 

Unter dem Druck der bösen Mächte

 

Die Sünde umgibt mich

wie das Dickicht die Lichtung.

Von Zeit zu Zeit dringt sie vor

und erstickt mich

bis auf einen kleinen, winzigen Punkt.

Noch ist der Funke nie erloschen,

obwohl es manchmal schon danach roch.

 

Ich muss das Licht verbreiten.

Ich muss die Lichtung weiten.

Das ist die Devise.

Sonst verdunkele ich unter

dem Druck der bösen Mächte.

 

 

 

 Aus dem Kapitel

Frage:

 

Wer?

 

Dieser Morgen ist so voller Grün,

dass die roten Dächer Punkte werden,

Hütten am Hang verwelken,

niemals jemand stören kann.

 

Wer hat die Farben gemischt,

das tausendfältige Grün,

das heute alles an sich reißt?

 

Wer hat die Straße hineingezeichnet,

jenen Weg in die Wellen gelegt,

so schwankend?

 

Wer hat dieses Land gestreichelt,

dass so sanft geschwungene Hügel

ihm entwachsen sind?

 

Wer hat jenen Wald gestrickt,

dass er den Horizont bekränzt,

als sei nun eine Braut geschmückt?

 

ER.

 

 

Wer will es hindern?

 

Die Zeit ist da.

Der Tag ist nah.

Der Bräutigam umwirbt die Braut.

 

Das Fest wirft lichte Schatten

in das land.

Noch ächzt der Alltag im Gebälk.

Doch Festtag zieht heran.

 

Wer will es hindern?

 

 

 

Aus dem Kapitel

Sage

 

Ein neuer Tag bricht an

 

In Dunkel stehst Du,

und sehenden Auges siehst Du doch nicht.

Du stellst Deine Sinne,

Ja die Augen durchbohren die Nacht,

und Deine Ohren fährst Du aus.

Du saugst an der schwarzen Luft

und schleckst am Dunkel,

um endlich auf den Geschmack zu kommen.

 

In einen neuen Raum bist Du gedrungen,

dem die köstlichen Wellen schon so nah,

dass eine Ahnung auf Dich fällt

und Dir den Schlaf raubt

in so mancher langen Nacht.

Aber deine Organe, sonst so trächtig,

sind der neuen Sphäre nicht mächtig.

Schließlich stichst Du die langen Arme,

gespreizte Finger voran,

in die lichtlose Flut,

sie zu greifen: Sie gibt nicht Halt.

Bekenne: „Ich suche.“

 

Und ein neuer Tag bricht an,

dem keine Nacht mehr folgen kann.

 

 

Neues gebiert

 

Sanft wallende Hügel

tanzen zur Sonne empor.

 

Vergangenes lebt

und flutet herein ins Zeitenmeer.

 

Neues gebiert

im Wirbel am Nadelöhr.

 

Im weißen Tal

die Sturzbäche von grünen Gipfeln.

 

 

 

Aus dem Kapitel

Bitte:

 

Haltet die Gebote!

 

Des Herrn Gebote

sind Geleisen gleich,

Spuren im Geröll

zum Bahnhof,

gradlinig

oder sanft geschwungen,

immer glitzernd

vor dem Antlitz

der Sonne.

 

So sicher

gleiten wir

der ZUKUNFT zu,

wenn auf ihnen

unsre Räder rollen.

 

 

 

Liebe im Leben!

 

Stark und tapfer,

klug und weise,

eich und mächtig werde!

 

Denke und plane,

schaffe und richte,

umwalle ein festes Haus!

 

Aber wenn es sein muss:

Verlass Dein Haus!

Vergiss Dich selbst!

Verlier Dein Leben!

Aus Liebe.

 

Liebe im Leben!

Lebe die Liebe!

Und Du empfängst

Liebe und Leben.